Regiosaatgut – Genetische Vielfalt als Teil der Biodiversität

Viele unserer extensiven Mähwiesen entstehen auf ehemaligen Ackerstandorten. Da dort häufig weder eine artenreiche Bodensamenbank noch ein ausreichender Sameneintrag aus der Umgebung vorhanden ist, unterstützen wir die Entwicklung artenreichen Grünlands gezielt durch die Ansaat von Regiosaatgut.

Warum ist Regiosaatgut wichtig?
Wildpflanzen besitzen eine genetische Vielfalt, die ihnen eine optimale Anpassung an die lokalen Klima- und Standortbedingungen ermöglicht. Diese genetische Vielfalt innerhalb einer Art ist ein wesentlicher Bestandteil der Biodiversität und bildet die Grundlage dafür, dass sich Pflanzenpopulationen über viele Generationen an ihre natürliche Umgebung anpassen konnten.

Viele Insekten haben sich im Laufe der Zeit in enger Koevolution mit bestimmten heimischen Wildpflanzen entwickelt und sind auf deren Blühzeitpunkt, Blütenaufbau oder Nektarangebot spezialisiert. Pflanzen derselben Art, die aus weit entfernten Regionen stammen, können sich in diesen Eigenschaften unterscheiden. Dadurch kann es zu zeitlichen oder funktionalen Abweichungen kommen, sodass sie für heimische Insekten als Nahrungsquelle weniger geeignet sind.

Der Einsatz von Regiosaatgut trägt deshalb dazu bei, regionale Pflanzenbestände und ihre genetische Vielfalt zu erhalten sowie die gewachsenen Wechselbeziehungen zwischen Pflanzen und Insekten zu sichern. Die Förderung einer vielfältigen Insektenwelt schafft zugleich eine wichtige Nahrungsgrundlage für zahlreiche Vogelarten der Kulturlandschaft. Beispiele sind das Braunkehlchen als spezialisierter Insektenfresser oder die Grauammer, die ihre Küken fast ausschließlich mit Insekten füttert.

Wildpflanzensaatgut aus regionaler Herkunft
Regiosaatgut stammt aus definierten Ursprungsgebieten, die auf Grundlage der natürlichen Verbreitung und genetischen Ausstattung der Pflanzenarten abgegrenzt wurden. Das Saatgut wird aus regionalen Wildpflanzenbeständen gewonnen und anschließend von lokalen, spezialisierten Vermehrungsbetrieben vermehrt. So bleibt die regionale genetische Vielfalt erhalten und kann für Naturschutz- und Ausgleichsmaßnahmen genutzt werden.

Regiosaatgut auf unseren Ökokonten
Regiosaatgut verwenden wir insbesondere dann, wenn eine Fläche isoliert in der Landschaft liegt und kein ausreichender Sameneintrag aus benachbarten Grünlandbeständen zu erwarten ist. Auch auf Flächen, die über viele Jahrzehnte intensiv als Acker genutzt wurden und auf denen keine nennenswerte Grünlandsamenbank mehr vorhanden ist, schafft Regiosaatgut die Grundlage für die Entwicklung artenreicher, standortgerechter Wiesen.

So fördern wir die Entstehung wertvoller Grünlandlebensräume und leisten einen Beitrag zum langfristigen Erhalt der biologischen Vielfalt in Mecklenburg-Vorpommern.

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