Ökokonto des Monats September

Unmittelbar angrenzend an das Kieswerk Belling (Jatznick) erfolgte 2018/19 auf ca. 4,3 ha eine Umwandlung intensiv genutzter Ackerflächen in Grünland mit dem Ziel der Etablierung und dauerhaften Sicherung wertvoller Trocken- und Magerrasenbiotope. Ein entsprechendes Potenzial deutete sich auf der Fläche während der ackerbaulichen Nutzung in Perioden der Stilllegung bereits immer wieder an. Randliche Sonderstrukturen, wie die Böschungskante zum nördlich gelegenen Kieswerk oder eine lockere Ansammlung großer Feldsteine ergänzt durch einzelne Kiefern, tragen im kleinen Maßstab zur Strukturvielfalt der Landschaft bei. Bislang wurden neben der Etablierung eines extensiven Mahdregimes eine Abbruchkante zur Schaffung sandiger Offenbodenbereiche angelegt sowie erfolgreich Ansalbungen wertgebender Mager- und Trockenrasenarten vorgenommen. Regelmäßig werden besonders arten- und blütenreiche Abschnitte von der Mahd ausgenommen und die überständige Vegetationsstruktur ganzjährig erhalten. Solche Bereiche bilden essenzielle Habitat- und Rückzugsräume für Insekten, insbesondere für heimische Heuschrecken.

Im Allgemeinen profitiert die Artengruppe der Heuschrecken zwar von den zunehmenden Wärmesummen der letzten Jahrzehnte, im Gegensatz dazu birgt die flächige Intensivierung der Landwirtschaft und damit einhergehende Homogenisierung der Landschaft gleichzeitig aber ein hohes Gefährdungspotenzial, wodurch viele der europäischen Arten negative Bestandstrends aufweisen und mittlerweile als gefährdet gelten.

Durch das Zusammenspiel aus kleinräumigen Sonderstrukturen und vielfältigem Vegetationsmosaik entwickelt sich das Trockengrasland bei Belling derweil sukzessive zu einem wertvollen Heuschrecken-Refugium inmitten einer stark ackerbaulich geprägten Landschaft. Kurz nach Maßnahmenumsetzung (2020) zeigten sich auf der Fläche überwiegend weit verbreitete Heuschreckenarten mit geringem Spezialisierungsgrad, wie Vertreter der Biguttulus-Gruppe (Chorthippus spec.) oder Grüne Heupferde (Tettigonia viridissima). Vorkommen der vergleichsweise anspruchsvolleren Blauflügeligen Ödlandschrecke (Oedipoda caerulescens) ließen sich damals auf ideale Habitatbedingungen im Bereich der angrenzenden Kiesgrube zurückführen.

Nunmehr sechs Jahre später hat sich die Artenzahl auf der Fläche verdoppelt. Besonders hervorzuheben sind dabei die neu hinzugekommenen Vorkommen der Westlichen Beißschrecke (Platycleis albopunctata) und der in Deutschland gefährdeten Art Warzenbeißer (Decticus verrucivorus)[1]. Letztere Art wurde 2026 mit relativ hoher Individuenzahl und verschiedenen Entwicklungsstadien nachgewiesen. Beide Arten stellen vergleichsweise hohe Ansprüche an ihren Lebensraum und benötigen divers strukturierte, wärmebegünstigte Standorte. Im Biotopmosaik des exponiert gelegenen Ökokontos „Trockengrasland Bellinger Höhe“ finden sich den Habitatansprüchen der Arten entsprechende lückige Magerwiesenbereiche mit sandigen Offenbodenstellen und dichter bewachsene, langgrasige Wiesenbereiche und Ruderalfluren vereint. Innerhalb dieses Biotopkomplexes finden sich zudem ideale Bedingungen für die vielerorts von starken Bestandsabnahmen betroffene Feldgrille (Gryllus campestris).

Neben der positiven Bestandsentwicklung der Heuschreckenfauna unterstreichen etablierte Wiesenbrüter- und Reptilienvorkommen sowie regelmäßige Nachweise gefährdeter Tagfalterarten die bereits vorhandene hohe Wertigkeit der Maßnahmenfläche. Darunter unter anderem Feldlerche (Alauda arvensis), Grauammer (Emberiza calandra), Zauneidechse (Lacerta agilis), Violetter Feuerfalter (Lycaena alciphron) und Schwalbenschwanz (Papilio machaon). 

[1] Der Warzenbeißer wurde 2026 durch ein internationales Gremium zum Insekt des Jahres gewählt und ist ein Symbol für die große Bedeutung des Erhalts von extensiv genutzten Magerwiesen und der Vernetzung von Lebensräumen. 

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